Bruderschaft vom Heiligen Blut

Entstehung der Bruderschaft

Die Entstehung dieser Bruderschaft ist verbunden mit der Gründung der „Gemeinschaft der Brüder vom Heiligen Blut“ (FSS), die am 2. Februar 2006 vom Bischof der Diözese Regensburg mit dem Ziel errichtet wurde, dass sie sich zu einer „klerikalen Gesellschaft des apostolischen Lebens“ (cc. 731-746 CIC) entwickelt. Von Anfang an bildete sich um diese Brüdergemeinschaft eine Art „Dritter Orden“ (c. 303 CIC), der auch „Freundeskreis“ oder „Gemeinschaft vom Heiligen Blut“ genannt wurde und gemeinsam mit den „Dienerinnen vom Heiligen Blut“ betreut wird.

Am 15. Sept. 2012 hat Papst Benedikt XVI. diese Brüdergemeinschaft in das „Oratorium des hl. Philipp Neri in Aufhausen“ umgewandelt. Dadurch wurde implizit auch die von ihr betreute Laiengemeinschaft in ein „Oratorium Saeculare“ (Laienoratorium) umgestaltet (c. 312 § 2 CIC; C.O.-Konstitution, Nr. 117-119). Aufgrund ihrer Entstehung und der besonderen spirituellen Ausrichtung auf das Ostergeheimnis (Pascha-Mysterium) wird das Aufhausener Oratorium Saeculare „Bruderschaft vom Heiligen Blut“ genannt (c. 303 CIC).

Die beiden „Ordensgemeinschaften“ – die Dienerin­nen vom Heiligen Blut und die Oratorianer des hl. Philipp Neri in Aufhausen – bilden gemeinsam mit der Bruderschaft vom Heiligen Blut die Geistliche Familie vom Heiligen Blut.

Anliegen und Aufgaben der Bruderschaft

  • Wir sind in eine Zeit hineingeboren, in der das Wichtigste zu sein scheint, möglichst gesund, lange, bequem und angenehm zu leben. Durch die Verehrung des Blutes Christi wollen wir uns selber immer wieder auf den eigentlichen Sinn des Lebens aufmerksam machen und auch andere darauf hinweisen: Nicht der Genuss führt zum wahren Ziel und Glück des Lebens, sondern die Liebe, die zur Hingabe, Opferbereitschaft und zum Leben in Einheit fähig macht.
  • Gott hat durch Jesus Christus seine unendliche Liebe offenbart, mit der er den Menschen und die ganze Schöpfung in Dasein gerufen hat. Durch die am Kreuz vergossene Liebe sind wir von der Erbsünde erlöst und befähigt, in der Gemeinschaft der Kirche die göttliche Liebe und Einheit zur Quelle und zum Ziel unseres Lebens zu machen.

1)  Um in Geist des Evangeliums zu leben und am Missionsauftrag der Kirche (Evangelisierung) immer besser teilnehmen zu können, lesen und betrachten wir jeden Tag im Licht des Glaubens die Heilige Schrift und pflegen die Praktik vom „Wort des Lebens“.

2)  Wir lernen die Spiritualität des Blutes Christi kennen und bemühen uns, sie in unserem Leben zu verwirklichen. Durch ein tägliches Gebet zum Blut Christi erneuern wir ständig die Einheit mit dem „Preis der Erlösung“ (z.B. Litanei vom Kostbaren Blut, die Sieben Aufopferungen…)

3)  Wir bemühen uns, Schwestern und Brüder im Glauben zu finden, die bereit sind, mit uns eine Gruppe zu bilden, in der wir gemeinsam beten und Glaubenserfahrungen austauschen können.
Wir sind auch bereit, persönlich und gemeinsam dort einzuspringen, wo Hilfe nottut (Familienprobleme, Einsamkeit, Krankheit, Alter, Armut jeglicher Art…).

4)  Nach Möglichkeit nehmen wir an den Einkehrtagen, Fortbildungstreffen, Exerzitien und besonderen Festen unserer Geistlichen Familie in den Niederlassungen unserer Ordensgemeinschaften teil. Wenn das unmöglich erscheint, gestalten wir persönlich oder gemeinschaftlich daheim ein ähnliches Programm.

5)  In unserer Familie, Nachbarschaft, Pfarrei… bemühen wir uns um die Ausbreitung unserer Bruderschaft. Wer aufgrund fehlender Gesundheit, fortgeschrittenen Alters oder anderer Probleme nicht mehr in der Lage ist, äußerlich viel zu tun, kann dennoch durch sein Gebet und das Aufopfern seines Leidens vielleicht sogar mehr bewirken als während der aktiven Zeit seines Lebens.

6)  Wir unterstützen besonders die Missionswerke unserer Ordensgemeinschaften und fördern nach Möglichkeit ihre geistlichen Berufungen.

Wie werde ich Mitglied der Bruderschaft?

Wer Mitglied unserer Bruderschaft werden möchte, meldet sich bei der nächsten Niederlassung unserer Geistlichen Familie. Er/sie absolviert zunächst ein Einführungsjahr unter der Anleitung eines Helfers („Schutzengel“). Danach erfolgt die feierliche Aufnahme in die Bruderschaft. Jetzt beginnt der Dreijahreszyklus zur Vertiefung des christlichen Lebens. Nach dieser Ausbildungszeit wird den Absolventen in einer Feier eine gesegnete Schutzmedaille überreicht zur Stärkung in ihrer Berufung.

Wer aus irgendwelchen Gründen nicht Mitglied der Bruderschaft werden kann, hat dennoch die Möglichkeit, als Sympathisant („Freund“) an den Feiern und Bildungstreffen der Gemeinschaft teilzunehmen.

Niemand ist zu alt oder zu krank, dass er sich nicht bekehren und seinen Beitrag leisten könnte, dass er nicht wenigstens einen Tropfen Blut aus dem eigenen Herzen zusammen mit dem Blut Christi aufopfern könnte zur Rettung seines Nächsten und zur Erneuerung der Kirche und der ganzen Welt.“

Einführungsjahr in die Bruderschaft

Bildungsthemen

  1. Das katholische Gottesbild -> zum Vortrag auf YouTube
  2. Schöpfung – Sündenfall – Erlösung -> zum Vortrag auf YouTube
  3. Die Katholische Kirche
  4. Die Geistliche Familie vom Heiligen Blut
  5. Die Heilige Schrift
  6. Der Katholische Katechismus
  7. Die Sakramente der Kirche
  8. Charismen und Gaben des Heiligen Geistes
  9. Tod – Gericht
  10. Fegefeuer – Himmel (Hölle)

Praktische Übungen

  1. Herr, lehre uns beten -> zum Vortrag auf YouTube
  2. Geistliches Bibellesen (Lectio Divina) -> zum Vortrag auf YouTube
  3. „Wort des Lebens“
  4. Jesus im Nächsten sehen
  5. Augenblick leben („Scheibenwischer“)
  6. Einheit stiften („Brücken“, Versöhnung…)
  7. Auf etwas verzichten können (Aszese, Fasten…)
  8. Gemeinsame Bibelbetrachtung
  9. Erfahrungsaustausch
  10. Zeugnisgeben

Die Grundausbildung der Mitglieder

Jahr A: Das Ja zur Wahrheit

Bildungsthemen
  1. JA zu Gott-Vater, dem Schöpfer
  2. Erstes JA Mariens
  3. JA zum Plan Gottes für mich
  4. JA zur Demut
  5. Kind sein
  6. Offenheit für das Wort Gottes
  7. Gehorsam aus Liebe
  8. Lieben wie Gott liebt (alle…)
  9. Bedingungslose Liebe
  10. Maria, das Tor zur Wahrheit
Praktische Übungen

DIE KUNST DER VERSÖHNUNG

  1. Sich für die wahre Liebe entscheiden
  2. Überlegen, was jetzt mein Nächster braucht
  3. Das Schlechte vorläufig übersehen, liebevoll schenken

AKTIVE ANTEILNAHME AN DER EUCHARISTIEFEIER

  1. Vergeben – sich versöhnen („Eintrittskarte“)
  2. Hören um zu handeln (Wortgottesdienst)
  3. Was lege ich heute auf den Altar? (Gabenbereitung)
  4. Mit Jesus zur Gabe werden (Wandlung und Opfer)
  5. Eins mit Gott – eins mit den Brüdern und Schwestern (Kommunion)
  6. Den Frieden Gottes in die Welt tragen

Jahr B: Das Ja zum Kreuz

Bildungsthemen
  1. JA zu Gott-Sohn, Jesus dem Erlöser
  2. Zweites JA Mariens
  3. Annahme des Kreuzes gemeinsam mit Jesus
  4. JA zur Sühne
  5. Bruder/Schwester sein
  6. Nicht alles wissen müssen/wollen
  7. Reichmachende Armut
  8. Lieben bis aufs Blut
  9. Frohe Opferbereitschaft
  10. Maria, die Mutter unter dem Kreuz
Praktische Übungen

DAS SIEBEN-STUFEN-GEBET (Download als PDF)

In diesem Ausbildungsjahr betrachten wir besonders in sieben selbstgewählten Monaten die traditionellen „sieben Blutvergießungen“ Jesu. Dabei helfen uns die entsprechenden „Leitworte“ („Schlagworte“) und das sogenannte Sieben-Stufen-Gebet.

1. Monat: Der Herr vergoss Blut bei der Beschneidung

Leitsatz: Ich bin nicht allein

Gebet: Herr Jesus Christus, ich möchte im Zeichen des Neuen Bundes leben. Du warst gehorsam den Traditionen Israels und hast bei der Beschneidung zum ersten Mal dein Heiliges Blut vergossen. Auf diese Weise hast du den Bund bekräftigt, den Gott mit Abraham geschlossen hat, und gleichzeitig einen Neuen Bund
gestiftet. Ich danke für die Gnade der Taufe und Firmung. Aufbauend auf dem Fundament dieser Sakramente will ich an mir selber arbeiten und durch die Reinheit an Leib, Seele und Geist tiefer in die Spiritualität unserer Geistlichen Familie hineinwachsen. Amen.

2. Monat: Der Herr vergoss Blut beim Gebet am Ölberg

Leitsatz: Keine Angst!

Gebet: Herr Jesus Christus, so wie du will ich im Ölgarten meine Ängste und Schwierigkeiten dadurch besiegen, dass ich mich immer wieder dem Willen Gottes anvertraue. Ich bitte um die Hilfe der Engel, dass sie auch mich mit dem Kelch stärken, wenn ich zusammen mit dir „Blut schwitze“. Lass mich so immer den Frieden des Herzens bewahren, oder schnell wieder zu ihm zurückfinden. Amen.

3. Monat: Der Herr vergoss Blut bei der Geißelung

Leitsatz: Schluss mit Jammern!

Gebet: Herr Jesus Christus, wie du bei der Geißelung möchte ich alle Ungerechtigkeit und jedes Leid immer bewusster annehmen und mit deinen Schmerzen vereinen. Du hast das Unrecht im schweigenden Gebet dem Vater im Himmel für unsere Sünden aufgeopfert. So können auch aus meinen körperlichen und seelischen Leiden noch Rettungsanker werden besonders für jene, die sich selber nicht mehr helfen können. Amen.

4. Monat: Der Herr vergoss Blut bei der Dornenkrönung

Leitsatz: Mehr durch Schweigen!

Gebet: Herr Jesus Christus, bei der Dornenkrönung betrachte ich besonders den Adel deines Herzens. Du bist der wahre König! Du hast geschwiegen und deine Peiniger gesegnet, als du verspottet wurdest. Lehre mich die wahre Demut, damit ich dein edles und königliches Herz tiefer in mein Herz aufnehmen kann. Ich möchte schon auf dieser Welt immer stärker an deinem Königtum teilhaben. Amen.

5. Monat: Der Herr vergoss Blut auf dem Kreuzweg

Leitsatz: Auf und weiter!

Gebet: Herr Jesus Christus, lass mich die Blutvergießung auf dem Kreuzweg tiefer erfassen. Ich will diesen Weg immer bewusster mit dir gemeinsam gehen. Lehre mich, stärker zu lieben, auch wenn meine Niederlagen schwieriger werden und der Weg immer röter von den Blutspuren. Ich möchte besonders an der Feinfühligkeit der heiligen Veronika teilnehmen und an deiner Dankbarkeit ihr gegenüber. Hilf mir, das mit Blut gemalte Bild deines Antlitzes auch in meinem Herzen aufzubewahren! Amen.

6. Monat: Der Herr vergoss Blut am Kreuz

Leitsatz: In deine Hände…

Gebet: Herr Jesus Christus, lass mich besonders dein Heiliges Blut betrachten, das du am Kreuz vergossen hast. Du hast all jenen verziehen, die dich kreuzigten und deinen Tod verursachten. Du hast dein Leben für unser Heil gegeben und uns deiner Mutter anvertraut. Lass auch uns durch unser irdisches Leben das ergänzen, was an deinen Leiden noch fehlt (vgl. Kol 1,24). Zusammen mit Maria, der Königin vom Kostbaren Blut, will ich ein lebendiger Kelch sein für die Rettung aller. Amen.

7. Monat: Der Herr vergoss Blut und Wasser bei der Öffnung seiner Seite

Leitsatz:  Ein Herz für alle

Gebet: Herr Jesus Christus, du hast dich auch noch nach dem Tode von der Lanze durchbohren lassen. Aus deinem geöffneten Herzen brechen Blut und Wasser hervor. Du öffnetest dein Herz für alle und lädst alle Menschen ein, in ihm Platz zu nehmen. Deine am Kreuz vergossene Liebe strömt weiter in den heiligen Sakramenten der Kirche wie auch in den Wunden der Menschheit. Durchdringe mich mit deinem Heiligen Geist, damit ich in den Wunden der Menschheit dein Heiliges Blut erkennen und verehren kann. Danke, Jesus, dass du mich auf diesen Weg der Anteilnahme am Werk der Erlösung berufen hast! Amen.

Wir können uns keine Ruhe gönnen, wenn wir an all jene Millionen von Schwestern und Brüdern denken, die so wie wir durch das Blut Christi erlöst wurden, sich aber der Liebe Gottes nicht bewusst sind.
(Johannes Paul II.)

Jahr C: Das Ja zur Einheit

Bildungsthemen
  1. JA zu Gott dem Hl. Geist der Einheit
  2. Drittes JA Mariens
  3. JA zur Einheit aller
  4. JA zur Versöhnung
  5. Geistliche Vater- und Mutterschaft
  6. Offenheit für die Weisheit Gottes
  7. Reinheit, die Nähe zu allen schenkt
  8. Liebe zur Rettung der Sünder
  9. Liebe, die Freiheit schenkt
  10. Maria, die Königin des Himmels und der Erde
Praktische Übungen

MIT MARIA TEILNEHMEN AM ERLÖSUNGSWERK (Download als PDF)

1. Die Ankündigung des Leidens

Simeon segnete sie und sagte zu Maria, der Mutter Jesu: Dieser ist dazu bestimmt, dass in Israel viele durch ihn zu Fall kommen und viele aufgerichtet werden, und er wird ein Zeichen sein, dem widersprochen wird. Dadurch sollen die Gedanken vieler Menschen offenbar werden. Dir selbst aber wird ein Schwert durch die Seele dringen. (Lk 2,34-35)

Liebe Gottesmutter Maria, die Ankündigung des Leidensweges deines Sohnes hat dein Herz wie ein Schwert durchbohrt. Aber du hast diesen Schmerz in dir verborgen. Lehre auch mich bei Verletzungen das Jammern und Klagen zu vermeiden, damit aus jedem Leiden ein Geschenk der Liebe werden kann – zur Ehre Gottes und zum Heil der Menschen.

2. Die Flucht nach Ägypten

Als die Sterndeuter wieder gegangen waren, erschien dem Josef im Traum ein Engel des Herrn und sagte: Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter, und flieh nach Ägypten; dort bleibe, bis ich dir etwas anderes auftrage; denn Herodes wird das Kind suchen, um es zu töten. Da stand Josef in der Nacht auf und floh mit dem Kind und dessen Mutter nach Ägypten. Dort blieb er bis zum Tod des Herodes.
(Mt 2,13-15a)

Liebe Gottesmutter Maria, die Flucht nach Ägypten forderte von dir wie auch vom hl. Josef und dem Jesuskind viele Strapazen und Entbehrungen. Noch mehr kämpfte deine menschliche Natur in der Fremde mit Angst und Heimweh. Aber dein bedingungsloses Vertrauen auf die göttliche Vorsehung gab dir immer wieder den inneren Frieden, so dass du trotz aller Gefahren dein Kind mit Geborgenheit und den hl. Josef mit Zuversicht beschenken konntest. – Steh auch mir bei, besonders in Zeiten der Unsicherheit und Angst, so dass ich zusammen mit dir Geborgenheit und Frieden weiterschenken kann.

3. Die Suche nach dem zwölfjährigen Jesus

Der junge Jesus aber blieb in Jerusalem, ohne dass seine Eltern es merkten. Sie meinten, er sei irgendwo in der Pilgergruppe, und reisten eine Tagesstrecke weit; dann suchten sie ihn bei den Verwandten und Bekannten. Als sie ihn nicht fanden, kehrten sie nach Jerusalem zurück und suchten ihn dort. Nach drei Tagen fanden sie ihn im Tempel; er saß mitten unter den Lehrern, hörte ihnen zu und stellte Fragen. Alle, die ihn hörten, waren erstaunt über sein Verständnis und über seine Antworten. Als seine Eltern ihn sahen, waren sie sehr betroffen und seine Mutter sagte zu ihm: Kind, wie konntest du uns das antun? Dein Vater und ich haben dich voll Angst gesucht. Da sagte er zu ihnen: Warum habt ihr mich gesucht? Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meinem Vater gehört? Doch sie verstanden nicht, was er damit sagen wollte. (Lk 2,43b-50)

Liebe Gottesmutter Maria, Gott hat dich ohne jede Erbschuld ins Leben gerufen und mit seiner Hilfe bliebst du auch dein ganzes Leben lang ohne persönliche Sünde. Aber von Versuchungen bist du, so wie dein Sohn, nicht verschont geblieben. Wieviel Selbst-Vorwürfe sind doch bei der Suche nach dem „verlorenen“ Jesus in dir aufgestiegen! Auch dein „Warum?“ bei der Begegnung mit dem wiedergefundenen Sohn war kein wirklicher Vorwurf, sondern eine der vielen Fragen auf deinem Lebensweg, die ohne verständliche Antwort blieben. – Liebe Gottesmutter, hilf auch mir, alle Ängste, unnötige Schuldgefühle und innere Dunkelheit durch das Vertrauen auf Gottes Liebe und Allmacht zu besiegen.

4. Die Begegnung auf dem Kreuzweg

Als sie Jesus hinausführten, ergriffen sie einen Mann aus Zyrene namens Simon, der gerade vom Feld kam. Ihm luden sie das Kreuz auf, damit er es hinter Jesus hertrage. Es folgte eine große Menschenmenge, darunter auch Frauen, die um ihn klagten und weinten. Jesus wandte sich zu ihnen um und sagte: Ihr Frauen von Jerusalem, weint nicht über mich; weint über euch und eure Kinder! (Lk 23,26-28)

Liebe Gottesmutter Maria, auch du warst auf dem Kreuz­weg unter jenen Frauen, die um Jesus klagten, aber du hast geschwiegen. Du hast nicht auf all die Grobheiten und Grausamkeiten geachtet, sondern dein Blick und dein Herz waren einzig bei Jesus. Sein Leiden war dein Leiden. Es genügte das Sich-Treffen der Blicke, um sich gegenseitig in der Liebe zu Gott und zu den Menschen zu stärken, für die so viel Blut und Tränen zur Erde rannen. – Maria, lass mich mit deinen Augen und mit deinem Herzen Jesus in jenen Menschen erkennen und lieben, die heute ihren Kreuzweg gehen.

5. Unter dem Kreuz

Bei dem Kreuz Jesu standen seine Mutter und die Schwester seiner Mutter, Maria, die Frau des Klopas, und Maria von Magdala. Als Jesus seine Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er liebte, sagte er zu seiner Mutter: Frau, siehe, dein Sohn! Dann sagte er zu dem Jünger: Siehe, deine Mutter! Und von jener Stunde an nahm sie der Jünger zu sich. Danach, als Jesus wusste, dass nun alles vollbracht war, sagte er, damit sich die Schrift erfüllte: Mich dürstet. Ein Gefäß mit Essig stand da. Sie steckten einen Schwamm mit Essig auf einen Ysopzweig und hielten ihn an seinen Mund. Als Jesus von dem Essig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht! Und er neigte das Haupt und gab seinen Geist auf. (Joh 19,25-30)

Liebe Gottesmutter Maria, unter dem Kreuz konntest du Jesus weder durch Worte noch durch eine hilfreiche Geste Trost und Erleichterung schenken. Schweigend bist du IHM immer nähergekommen – ohne jeden Vorwurf. Du hast liebend mit deinem Sohn gelitten und warst so die größte Hilfe und der stärkste Trost. – Maria, lehre mich zu lieben wie du liebst, zu helfen wie du hilfst und zu trösten wie du tröstest! Denn Jesus leidet ja auch heute in jenen, die für den Glauben verfolgt werden, und noch mehr in jenen, die Gott aus ihrem Leben verbannt haben. Lass mich ganz DEIN sein – TOTUS TUUS!

6. Der Leichnam Jesu im Schoß seiner Mutter

Ein anderes Schriftwort sagt: Sie werden auf den blicken, den sie durchbohrt haben. Josef aus Arimathäa war ein Jünger Jesu, aber aus Furcht vor den Juden nur heimlich. Er bat Pilatus, den Leichnam Jesu abnehmen zu dürfen, und Pilatus erlaubte es. Also kam er und nahm den Leichnam ab. (Joh 19,37-38)

Liebe Gottesmutter Maria, du warst Josef von Arimathäa sehr dankbar dafür, dass er jetzt mutig aus seinem versteckten Jünger-Sein heraustrat, mit Erlaubnis von Pilatus den toten Leib Jesu vom Kreuz ehrfürchtig abnahm und ihn in deinen Schoß legte. Welch liebe Erinnerung an die ersten Zeiten nach der Geburt und jetzt – welch schmerzlicher Anblick all jener Wunden von Geißelung und Kreuzigung! Aber du verlierst dich nicht in Gefühlen, sondern reinigst den Leib Jesu für die nahe Grablegung. – Maria, reinige auch meinen Leib, meine Seele, meinen Geist, damit ich den Leib deines auferstandenen Sohnes immer würdig empfangen kann!

7. Das Begräbnis Jesu

Josef aus Arimathäa nahm den Leichnam Jesu] vom Kreuz, hüllte ihn in ein Leinentuch und legte ihn in ein Felsengrab, in dem noch niemand bestattet worden war. Das war am Rüsttag, kurz bevor der Sabbat anbrach. Die Frauen, die mit Jesus aus Galiläa gekommen waren, gaben ihm das Geleit und sahen zu, wie der Leichnam in das Grab gelegt wurde. (Lk 23,53-55)

Liebe Gottesmutter Maria, auch dieser Schmerz blieb dir nicht erspart: die Grablegung des eigenen Kindes! Noch einmal durftest und musstest du deine eigenen Vorstellungen, Wünsche, Pläne und Fragen loslassen, um Platz zu machen für das Walten Gottes. Wie dein Sohn am Kreuz, so legtest auch du alles in die Hände des Ewigen Vaters. Das gab deinem Herzen die innere Freiheit und den Frieden zurück. – Lass mich wie du und zusammen mit dir eine Quelle des wahren Friedens werden, die hinführt zur Auferstehung mit Jesus, deinem so geliebten Sohn, unserem Heiland und Erlöser!

Schlussgebet

Liebe Gottesmutter Maria, wir haben die Höhepunkte deines irdischen Leidensweges betrachtet. Kein anderer Mensch hätte es vermocht, so wie du jedes Leiden in noch größere Liebe zu verwandeln. Denn du bist die „Gnaden-volle“, die „Immaculata“, die „Braut des Heiligen Geistes“. Wir bitten dich, Maria, nimm uns auf in deine Schule der göttlichen Liebe, damit wir lernen,
jeden Schmerz, jedes Unrecht und jede Lieblosigkeit… nicht nur zu ertragen. Mit dir zusammen wollen wir das Leid dieser Erde mit dem Erlösungsleiden deines Sohnes Jesus Christus vereinen – als Dank für die Liebe des Ewigen Vaters, die uns erschaffen hat, und zur Rettung jener, die ohne diese Hilfe das wahre Ziel des Lebens nicht erreichen würden. Amen.

Weihegebet an das Unbefleckte Herz Mariens

Maria, dein Unbeflecktes Herz ist die Quelle und gleichzeitig auch die schönste Frucht der Allmacht deines Sohnes, unseres Herrn Jesus Christus. Mutter und Königin vom Kostbaren Blut, du bist der Weg und gleichzeitig auch die strahlendste Ikone der Liebe deines Sohnes, unseres Erlösers. Du Frau mit der Sonne umkleidet, du bist der Kampf und gleichzeitig auch der herrlichste Sieg der Demut deines Sohnes, unseres Gottes. Dir wollen wir danken, dir vertrauen, und zusammen mit dir teilnehmen an der Mission Jesu Christi. Dir, Maria, weihen wir von neuem uns und alle unsere Familien und Gemeinschaften. Wir bitten dich, Mutter, nimm uns alle in dein Unbeflecktes Herz, damit wir dort rein werden und unter deinem Schutz Heilung und Heiligung erfahren im Heiligen Geist. Amen.

Feiere deine Messe

Wenn du leidest und dein Leid so tief ist,
dass es dich hindert, irgendetwas zu tun,
erinnere dich an die Heilige Messe.
In der Messe, heute wie damals,
arbeitet Jesus nicht, lehrt nicht:
Jesus gibt sich aus Liebe hin.
Im Leben kann man so viel tun,
so viele Worte sagen,
doch die Stimme des Leidens,
obwohl stumm und anderen unbekannt,
die Stimme des Leidens,
die aus Liebe geopfert wurde,
ist das stärkste Wort,
solches, das den Himmel durchbricht.

Wenn du leidest,
tauche dein Leid in Seines ein:
feiere dein Messopfer;
und wenn die Welt dich nicht versteht,
verliere den Frieden nicht:
Es genügt, dass dich Jesus, Maria,
die Heiligen verstehen:
Lebe mit ihnen und lass dein Blut fließen
für das Wohl der Menschheit – so wie Er!
Das Messopfer!
Zu groß, um es zu verstehen!
Sein Opfer, unser Opfer.

(Chiara Lubich)