Wort des Lebens

Aktuelles Wort des Lebens
Was ist das „Wort des Lebens“
Wort des Lebens als „Methode“
Erfahrungen mit dem Wort des Lebens
Bibelbetrachtung in der Praxis

Aktuelles Wort des Lebens

„Du sollst deinen Gott lieben...“ (Mt 22,37)           

Impulse zum „Wort des Lebens“ der kommenden Woche für 25. bis 31. Oktober 2020:

  • Mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele...
  • Mit all deinen Gedanken...
  • Und deinen Nächsten wie dich selbst!

Was ist das „Wort des Lebens“?

„Wort des Lebens“ bedeutet zunächst dasselbe wie „Heilige Schrift“ oder „Wort Gottes“. Der hl. Paulus gebraucht den Ausdruck "Wort des Lebens" im Brief an die Philipper (Phil 2,16) und der hl. Johannes in seinem ersten Brief (1 Joh 1,1). Die Apostel verwenden diesen Ausdruck, um zu betonen, dass jedes Wort, das von Gott kommt, in sich das göttliche Leben hat, also den Heiligen Geist.
Wer gut auf das Wort Gottes hört und es in sein Herz aufnimmt, reinigt und stärkt seinen Glauben.

In unserer Geistlichen Familie bezeichnen wir mit dem Ausdruck „Wort des Lebens“ auch eine besondere Methode, die dabei hilft, nach dem Wort Gottes zu leben.

Wort des Lebens als „Methode“

In unserer Geistlichen Familie wählen wir regelmäßig ein kurzes Leitwort aus der Bibel aus (gewöhnlich aus dem Evangelium des folgenden Sonntags). Dieser Satz dient in den verschiedensten Situationen für die kommenden Tage (Wochen) als Leitmotiv. Man versucht, es im Herzen zu bewahren und danach zu leben, seine Entscheidungen danach auszurichten. Das Wort Gottes, also Jesus selbst, kann besonders stark unser Leben formen. Die Erinnerung an das „Wort des Lebens“ gibt dem Glaubenden mehr Kraft, um mit Entschiedenheit den Willen Gottes in jeder neuen Situation zu suchen und zu erfüllen. Dabei hilft es, wenn man sich diese Worte aufschreibt und an einem gut sichtbaren Platz in der Wohnung aufhängt.

Sobald z.B. eine Schwierigkeit auftaucht, ruft man sich das aktuelle Wort des Lebens in Erinnerung und bittet um Hilfe. Der Heilige Geist, der in dem Wort gegenwärtig ist, kann die Situation und das eigene Herz verwandeln – dann kann man die Früchte erfahren...

Folgende Fragen können helfen, die Situation zu klären: „Herr, was möchtest du mir damit sagen? Was würdest du jetzt an meiner Stelle tun?“

Erfahrungen mit dem Wort des Lebens

Im Haus meines Vaters

Ich hatte mich mit jemandem für Sonntagnachmittag verabredet. Mittags kam per Telefon eine Absage mit einer fadenscheinigen Begründung. Ich war erst ziemlich enttäuscht und sauer. Während der Messe versuchte ich zu vergeben und mir einzureden: „Ist doch alles nicht so schlimm!“ Aber bei der Anbetung gleich nach der Messe kochte es immer mehr in mir. – Endlich ist mir das damalige Wort des Lebens eingefallen: „Ich will umkehren und in das Haus meines Vaters gehen“ (Lk 15,18). Ich saß vor der Monstranz und dachte mir: „Nein, ich will ich jetzt nicht umkehren, ich bin jetzt sauer!“ Aber mir kamen immer wieder diese Worte: „Umkehren… zurück ins Haus meines Vaters…“ Als dann die Anbetungsstunde aus war, sagte ich Jesus: „Ja, gut. Ich will umkehren und ins Haus meines Vaters gehen, aber ich kann nicht! Sobald ich sie sehe, dann kocht es bestimmt wieder in mir. Ich gehe jetzt nach draußen, aber du musst das Ganze machen.“ Dann bin ich rausgegangen und habe sie tatsächlich getroffen. Und ich konnte sie tatsächlich anlächeln und sogar freundlich grüßen! Dann war es wieder gut, die Wut war weg und alles war in Ordnung. Danke, Jesus!                       
P.N.

(aus dem Buch "Mein Vater im Himmel")

Blut Christi werden

Als mein Mann von einer OP aus dem Krankenhaus zurückkam, zog ein paar Tage danach für einen Monat meine Schwiegermutter zu uns. Unsere Schwiegermutter ist 87 Jahre alt und aufgrund ihres Alters sowie verschiedener krankheitsbedingter Veränderungen im Umgang schwierig. Die ersten drei Tage war sie noch sehr sympathisch und nett. Sie wusste, dass sie bei uns wohnen musste. Die folgenden Tage aber wurden immer schwieriger. Sie hatte sich entschlossen, nach Hause zu fahren, dort sei ihr Platz, dort habe sie ihr Zimmer. Bei uns wohnte sie im Zimmer unseres Sohnes, das ihren Ansprüchen nicht ensprach, denn unsere Wohnung ist klein. Die Schwiegermutter kam auf die Idee, dass der beste Weg nach Hause zu kommen darin bestand, uns zu ärgern. Die Person, bei der sie begann zu schikanieren, war nun ich. Sie dachte sich schreckliche Sachen über mich aus – das war sehr unangenehm und traurig für mich. Sie stichelte, quatschte und packte ständig ihre Sachen wieder ein und dachte wohl, dass sie mich auf diese Weise so sehr aufregen könnte, dass ich ihrer Rückkehr zustimmen würde.Das waren für mich keine leichten Wochen. Zu diesem Zeitpunkt lebte ich nach dem Wort des Lebens: „Das Blut Christi werden” und ich bemühte mich, das Blut Christi dort zu sehen, wo es schlecht ging und es in schwierigen Situationen zu erfahren. So schaute ich auf meine Schwiegermutter und nahm mir das, was sie sagte, nicht so zu Herzen. Wenn sie schrie und murrte, ging ich zu ihr, streichelte sie am Kopf, küsste sie und hatte immer etwas Süßes für sie in der Tasche. Anfangs lehnte mich Oma einfach ab, doch ich gab nicht auf. Und während ich sie anschaute, suchte ich in ihr den leidenden, verlassenen Christus. Ich versuchte ihr sehr geduldig zu erklären, dass sie jetzt nicht zu sich nach Hause fahren könne, denn dort sei niemand – niemand, der ihr etwas kochen oder sich um sie kümmern könnte. Sie behauptete dann, sie komme alleine zurecht und schikanierte mich noch mehr. Ich redete ihr gut zu, denn ich wusste, dass sie von uns allen am meisten litt, denn in Wirklichkeit wollte sie ja nur in ihrer eigenen Umgebung sein. Das dauerte ca. drei Wochen. Als meine Schwiegermutter schließlich davon überzeugt wurde, dass ich ihr gegenüber nicht beleidigt war und dass sie mit ihrer Haltung nichts ausrichten würde, begann sie sich selbst zum Besseren zu verändern. Sie verstand, dass ich es gut mit ihr meinte, begann milder auf mich zu schauen und sagte sogar zu mir: „Was würde ich ohne dich tun, Kind, wenn du mich nicht aufnehmen würdest?“ Das war für mich eine großartige Schule, denn meine Schwiegermutter brachte mir durch ihr Verhalten die Demut bei.
K.T.

(aus unserem Rundbrief "Kelch des Lebens", Nr. 6/2019)

Entscheidung für Jesus

In meine Klasse geht ein Mädchen, das niemand mag, da sie körperlich behindert ist. Außerdem gehört sie zu den Zeugen Jehovas. Immer wieder zeigt ihr die Klasse, dass niemand sie so richtig mag. Dieses Mädchen verstand beim Rechnen etwas nicht. Die Lehrerin fragte: "Wer kann Annette das erklären?" Alle in der Klasse waren still. Niemand meldete sich. Plötzlich erinnerte ich mich an das Wort aus dem Evangelium: "Was ihr einem meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan." Da hat mich etwas gepackt. Ich stand auf und sagte der Lehrerin, dass ich Annette helfen könnte. Ich spürte die abschätzigen Blicke der Klasse. Dennoch freute ich mich, dass ich das für Jesus machen konnte.
Melanie, 10 J.

(aus dem Buch "Freude an Gott")

Bibelbetrachtung in der Praxis

1. Einleitendes Gebet

Der Gruppenhelfer, der die gemeinsame Betrachtung leitet, beginnt mit einem Gebet oder einem Lied zum Hl. Geist oder zum Blute Christi. Dann bittet er jemanden aus der Gruppe, dass er den ausgewählten Abschnitt vorliest – z.B. das Evangelium vom nächsten Sonntag. Schon vor dem Beginn der Betrachtung suchen die Teilnehmer diesen Text in der Bibel und schlagen ihn auf. Während der Abschnitt vorgetragen wird, lesen die anderen Teilnehmer nicht mit, sondern bemühen sich, aufmerksam zuzuhören.

2. Die Suche nach dem Willen Gottes

Nach dem Vorlesen des Textes denkt zunächst jeder still für sich nach. Bei jenen Sätzen, die das Herz besonders anrühren, verweilt man etwas länger. Man fragt sich: „Herr, was willst Du mir damit sagen?“ In dieser ersten stillen Zeit geht es darum, was Gott von mir persönlich erwartet – heute. Folgende Fragen können bei dieser Suche nach dem Willen Gottes hilfreich sein:

  • Was fordert mich zum Danken auf?
  • Wofür muss ich noch um Entschuldigung bitten?
  • Was soll ich in meinem Leben ändern?
  • Wofür oder für wen soll ich heute besonders Fürbitte halten?
  • Was ermuntert mich zur Anbetung und zum Lobpreis?

Wenn Fragen aufkommen oder wenn man auf unklare Stellen stößt, dann darf man annehmen, dass uns Jesus durch diese unverständlichen Sätze oder Worte in diesem Augenblick nichts mitteilen will. Man kann also diese Stellen vorläufig getrost übergehen und sie eventuell für eine spätere Klärung aufheben.

3. Austausch der persönlichen Eindrücke

Nach etwa 15 Minuten Stille bittet der Gruppenhelfer mit dem Austausch zu beginnen. Das Mitteilen der persönlichen Eindrücke ist völlig freiwillig – niemand darf dazu genötigt werden. Jeder kann das sagen, was er innerlich erlebt hat. Niemand darf jetzt dazu einen Kommentar machen oder etwas verbessern – auch dann nicht, wenn jemand offensichtlich etwas falsch verstanden hat. Während der Betrachtung selber darf nicht diskutiert werden. Soweit wie nötig oder sinnvoll, sollen offensichtliche Irrtümer erst nach der Betrachtung berichtigt werden. Wenn jemand nichts zu sagen weiß, dann sollte er das einfach sagen und diese innere „Leere“ zum Geschenk machen oder einfach den Satz vorlesen, der ihm am besten gefallen hat.

4. Spontanes Gebet

Nach dem Austausch der Eindrücke beginnt das spontane Beten. Man betet mit eigenen Worten und in spontaner Reihenfolge. Diese Gebete geben zunächst Antwort auf das, was man vorher empfangen hat. Es kann ein Dank sein, ein Lobpreis, ein Reuegebet, (Für-)Bitte in den Anliegen der Kirche… alles, was man im Herzen trägt. Der Gruppenhelfer schließt die Betrachtung mit einem Ehre-sei-dem-Vater oder einem ähnlichen Gebet ab.

5. Einheit von Leben und Gebet – „Wort des Lebens“

Es ist ratsam, sich nach Abschluss des spontanen Gebetes ein „Wort des Lebens“ auszuwählen. Es geht um ein kurzes Leitwort aus dem gelesenen und betrachteten Abschnitt, das helfen kann, in der Zeit bis zur nächsten Bibelrunde das Wort Gottes im Herzen zu tragen (vgl. Lk 2,19.51) und danach zu leben. Dabei hilft mit, wenn man sich dieses aufschreibt und an einem oder mehreren gut sichtbaren Plätzen in der Wohnung aufhängt. Das Wort Gottes, also Jesus selbst, kann besonders stark unser Leben formen. Die Erinnerung an das „Wort des Lebens“ gibt dem Glaubenden mehr Kraft, um mit Entschiedenheit den Willen Gottes in jeder neuen Situation zu suchen und zu erfüllen.

6. Erfahrungsaustausch

Wenn eine Gruppe sich regelmäßig zur Bibelbetrachtung trifft, sollte sie nicht den Erfahrungsaustausch vernachlässigen. Man berichtet dankbar davon, wie das „Wort des Lebens“ (oder ein Gebet, ein Gedanken an Gott, an die Gemeinschaft…) in letzter Zeit geholfen hat, mit der Hilfe „von oben“ schwierige Situationen zu meistern. Dadurch dankt man vor allem für die Gnaden, die man empfangen hat. Das ist nicht immer einfach, man soll aber nicht verzagen, denn ein solches Glaubenszeugnis kann auch für den Nächsten das größte Geschenk werden. Wer ein echtes Zeugnis gibt, gibt sich selber, gibt Jesus, der durch den Glauben in das eigene Leben eingetreten ist.