Blütenlese

1. Das Siegeszeichen der Christen

Es ist doch sehr schade, dass das Zeichen des Kreuzes, das Zeichen der schändlichen Hinrichtung zum Tode verurteilter Verbrecher, seine ursprüngliche Aussagekraft teilweise verloren hat. Das Kreuz schockiert uns nicht mehr, weil es zum Schmuckstück geworden ist, zu einem Ehrenzeichen, zu einer Verzierung… Um diesem Siegeszeichen des Christen seine ursprüngliche Wirksamkeit zurückzugeben, lohnt es sich, daran zu erinnern, dass nicht die bloßen Balken uns die Erlösung gebracht haben, sondern das Blut des Erlösers Jesu Christi: „Ihr wisst, dass ihr aus eurer sinnlosen, von den Vätern ererbten Lebensweise nicht um einen vergänglichen Preis losgekauft wurdet, nicht um Silber oder Gold, sondern mit dem kostbaren Blut Christi, des Lammes ohne Fehl und Makel“ (1Petr 1,18-19).

2. Alle Wege führen nach Rom!

Die Bibel als Hauptquelle jeder echten Spiritualität ist so reich an Heilswahrheiten, dass kein Mensch und keine Gemeinschaft alle Aspekte ausschöpfen kann. Jede Generation in der Geschichte der Kirche hat, entsprechend den Bedürfnissen der Zeit, immer neue Antworten in der Bibel gefunden, die, gleichsam als göttliche Medizin, die Wunden der Menschheit heilten. Heilige wie ein Benedikt von Nursia, Franz von Assisi und Ignatius von Loyola… haben mit besonderer Sensibilität aus der Fülle des Wortes Gottes das herausgehört, was in ihrer Epoche von außergewöhnlicher Wichtigkeit war, um die Kirche zu retten und weiter wachsen zu lassen. Darum hat die Vielfalt an verschiedenen Spiritualitäten ihr Recht und ihre Bedeutung. In ihnen wird ja die Vielfalt des Wortes Gottes in der Lebenserfahrung des Menschen widergespiegelt. Alle Spiritualitäten gemeinsam drücken die Fülle des Gotteswortes aus. Aber auch jede einzelne Spiritualität führt zur vollen Wahrheit und zur Heiligkeit, wie die verschiedenen Pfade, die alle zu dem einen Berggipfel führen, oder verschiedene Brunnen in einem großen Garten, die alle auf dasselbe Grundwasser stoßen. Berggipfel und Grundwasser im Leben des Christen ist Christus, der Gottessohn und Erlöser. Einen solchen Beitrag zur Vielfalt und Schönheit der Kirche möchten auch die Gemeinschaften vom Kostbaren Blut geben. Sie verehren stellvertretend für alle anderen Menschen den „Preis der Erlösung“, damit nicht vergessen wird, was Christus für uns getan hat.

3. Eine Linse für die Gesamtheit der Glaubenswahrheiten

Das Blut Christi als Symbol einer besonderen Spiritualität ist mit einem Eingangstor zu vergleichen, das zum vollen Christusgeheimnis führt. Es ist wie eine Linse, die die Gesamtheit der Glaubenswahrheiten wie Lichtstrahlen bündelt und damit eine besondere Kraft entwickelt, um das Feuer eines christlichen Lebens zu entzünden, zu erhalten, zu verbreiten. „Spiritualität des Blutes Christi“ ist also jener Weg, der zur vollen Entfaltung des christlichen Lebens führt, indem es sich in besonderer Weise vom Blut Christi inspirieren lässt.

4. Wer geliebt ist, braucht nicht nach dem Sinn des Lebens zu suchen

„Gott liebt mich!“ Das ist die großartigste Entdeckung, die ein Mensch machen kann. Gott ist nicht nur Schöpfer, sondern auch Vater aller Menschen, und seine Liebe trifft auch mich! „Er liebt uns und hat uns von unseren Sünden erlöst durch sein Blut“ (Offb 1,5). Wer durch alle Dunkelheit und Verwirrung des Lebens hindurch dieses Licht erfährt, der beginnt ein neues Leben. Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat (Joh 3,16). Wer geliebt ist, braucht nicht mehr nach dem Sinn des Lebens zu suchen. Er weiß sich geborgen, bestätigt, anerkannt… er ist im Glück.

5. Wir alle sind geliebte Gefängnisinsassen!

Der Heilige Vater sprach zu Gefängnisinsassen. Das muss uns aber nicht daran hindern, die Worte auch direkt an uns selber gerichtet aufzufassen. Schließlich sind wir ja alle in gewisser Hinsicht wie in einem Gefängnis. Für manche ist es die Begrenzung durch eine Krankheit oder ein Unglück, was ihn wie Gitterstäbe einengt. Andere fühlen sich durch unüberwindliche Eigenheiten des Charakters wie eingesperrt. Es kann auch eine eigene Schuld sein, eine persönliche Schwäche, eine andere Person, an die wir unausweichlich gebunden sind, und vieles mehr, was uns von innen oder von außen die Freiheit einschränkt. Dadurch rücken wir in die Nähe jenen, zu denen der Papst Johannes Paul II. in Brasilien sprach: „In euch begegne ich erlösten Menschen, für die Christus sein Blut vergossen hat. Dieses Blut spricht zu euch von der unendlichen Liebe des Vaters und seines Sohnes Jesus Christus – von seiner Liebe für euch und für die gesamte Menschheit. Es ist für euch die Quelle einer Freude, die größer ist als die Welt sie geben kann, nämlich die Freude, lieben zu können und sich geliebt zu wissen. Dieses Blut gibt euch die Kraft von oben, die notwendig ist, um ein neues Leben zu beginnen.“

6. Erlösung nach dem Beispiel der Mercedarier

Es begann damit, dass ein Heiliger sehr tief die Situation der Sklaven auf den Galeeren erlebte. Um ihr Schicksal und Leiden zu lindern, gründete er den Orden der Mercedarier, in dem die Mönche sich durch ihre innige Beziehung zu Gott, durch Gebet, Opfer und die Stärkung ihres Glaubens auf das freiwillige Martyrium vorbereitetet haben. Und wenn sie geistlich so weit waren, verkauften sie sich selbst, so dass ein Sklave die Freiheit zurückbekam.

Mercedarier waren bei den Sklavenhändlern, die die Menschen nur als Ware betrachteten, sehr gern gesehen. Das Dienen auf den Galeeren oder in den Hütten, in den gefährlichen Schwefel-bergwerken… war damals eine schreckliche Qual. Nur Sklaven verrichteten solch unmenschliche Arbeiten, durch die sie sehr schnell, schon nach ein paar Jahren, ganz erschöpft waren. Die Besitzer nahmen zur Arbeit gern diese „dummen“ Mönche, die noch kräftig waren und sich umsonst in die Sklaverei begaben, anstelle der bereits erschöpften Opfer… Man muss aber nicht unbedingt ein Mönch werden, um sein Leben wie Jesus für das Heil anderer zu verschenken.

7. Blut Christi – Quelle des Erbarmens

„…der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele“ (Mk 10,45). Das ist der höchste Ausdruck der Liebe Jesu, dass er sich noch am Kreuz durchbohren lässt, um uns den Zugang zum Vater zu eröffnen. Und das ist auch der Höhepunkt unserer Teilnahme an der Barmherzigkeit Gottes, wenn wir zusammen mit dem Erlöser bewusst für den anderen ans Kreuz gehen. Das ist der Sieg der Barmherzigkeit und auch der tiefste Sinn der Verehrung des „Blutes Christi“.

8. Sein durchbohrtes Herz strahlte Liebe aus

Als Papst Johannes Paul II. zum ersten Mal in den Vereinigten Staaten von Amerika war, gab es zum Abschluss dieser Pilgerreise auf dem Flughafen noch eine sehr bewegende Szene – übertragen weltweit durchs Fernsehen. Es waren hohe Vertreter der ganzen Nation aus verschiedensten Organisationen der USA zugegen. Die Sprecherin einer feministischen Gruppe nutzte die Gelegenheit, um bei der offiziellen Verabschiedung dem Heiligen Vater noch einmal gehörig die Meinung zu sagen und deutlich zu machen, womit sie nicht einverstanden war. Das war eine sehr peinliche, ja schmerzhafte Situation, die eine hohe Spannung auslöste. Vor den Augen aller Welt war diese Kritik höchst unpassend, ja beschämend für die Organisatoren und das ganze Land. Alle schauten auf den Papst, wie er darauf reagieren werde. Dieser hörte sehr aufmerksam und gesammelt zu. Die Luft schien zu knistern. Es war zu spüren, wie sehr dieser Angriff dem Heiligen Vater wehtat. Aber sein durchbohrtes Herz strahlte Liebe aus. Als die Rednerin geendet hatte, lud er sie mit einfacher Geste zu sich. Unsicher näherte sich die Dame dem hohen Gast. Dieser drückte sie väterlich wie eine Tochter an sein Herz und segnete sie. Das war seine Antwort. – Damals habe ich verstanden, was es bedeutet, aus dem Geheimnis der durchbohrten Seite Jesu zu leben.

9. Blutsverwandtschaft mit Jesus

Jesus sagt sehr deutlich, was seine geistliche Familie verbindet: Es ist das Wort und der Wille Gottes! Wer sich dafür öffnet, wird mit Jesus in geistiger Weise „blutsverwandt“. Der Sohn Gottes ist gekommen, um den Willen des VATERS zu erfüllen (Hebr 10,7), und seine Speise ist es, den Willen Gottes zu tun (Joh 4,34). Wer zur Familie Jesu gehören und an seiner Mission ganz teilnehmen will, kennt nichts Wichtigeres als den Willen Gottes.

10. Den Willen Gottes leben – das Opfer des Neuen Bundes

Das Blut Christi, also das Zeichen des Neuen Bundes, ist die am Kreuz vergossene Liebe Gottes, die uns Versöhnung schenkt. Die Opfer des Alten Bundes, also menschliche Leistungen, konnten das Heil nicht bewirken. Der Erlöser und Heiland opfert sich selbst und schafft so stellvertretend für alle Menschen Genugtuung, indem er ganz und gar den Willen Gottes annimmt. Durch das Vergießen des eigenen Blutes beendet er die Blutriten des Tempels. Er selber wird zum wahren Tempel, in dem Gott für uns gegenwärtig ist und das Heil schenkt. Das Blut und Leben des Neuen Bundes ist der Wille Gottes, und das Opfer ist die vertrauensvolle Annahme dieses göttlichen Willens. Das macht der hl. Paulus besonders im Römerbrief deutlich: Angesichts des Erbarmens Gottes ermahne ich euch, meine Brüder, euch selbst als lebendiges und heiliges Opfer darzubringen, das Gott gefällt; das ist für euch der wahre und angemessene Gottesdienst. Gleicht euch nicht dieser Welt an, sondern wandelt euch und erneuert euer Denken, damit ihr prüfen und erkennen könnt, was der Wille Gottes ist: was ihm gefällt, was gut und vollkommen ist (Röm 12,1-2).

11. Frohe Opferbereitschaft

Es geht Jesus auch darum, dass wir frohe Menschen werden. Ein Christ, der keine Freude ausstrahlt, ist nicht gesund. Er sollte sich prüfen (und/oder sich prüfen lassen!), ob er wirklich in der Liebe Christi lebt und seine Gebote hält. Jesus selbst ist der Maßstab. Er weiß am besten, was uns wirklich und bleibend froh macht, was uns den Frieden des Herzens schenkt, seinen Frieden, „den die Welt nicht geben kann“ (Joh 14,27), das „Neue Gebot“ (Joh 15,12). Wenn unsere Opferbereitschaft nicht aus einem friedvollen und hoffnungsfrohen Herzen käme, dann wäre sie nicht christlich, jedenfalls nicht genügend christlich, so dass sie Gott wirklich gefallen könnte und eine würdige Antwort auf das Opfer Christi wäre.

12. Christliche Freude

Die Freude des Jüngers Christi ist wie eine blühende Blume, die strahlt und andere erfreut. Ihre Kraft aber holen die Blüten aus der Erde, wo es dunkel ist, kalt, steinig… schmerzlich. Die Wurzeln der christlichen Freude beziehen ihren Saft aus dem Blute Christi, das vom Kreuz herabrinnt.

13. Dem Blut Jesu im Leid begegnen

Ist es nicht so, dass Jesus während seines Leidens am Kreuz sein Blut und Leben für alle hingegeben hat? Füllte er nicht alle unsere Wunden, Schwächen, Leiden mit seiner Liebe aus? Hat er nicht dieses Blut auch für all jene vergossen, die in der Einsamkeit leben, die eine Ungerechtigkeit erfahren, die niedergedrückt sind, nicht wissen, wie es weiter gehen soll, die niedergeschlagen sind durch physische, psychische, geistige Probleme? Wenn du jetzt so etwas Ähnliches erlebst – Jesus hat auch das mit seinem Blut erfüllt… er ist dir sehr nahe!

14. Sich verwunden lassen um zu lieben

Wenn jemand eine Bluttransfusion bekommt, da geschieht das nicht ohne eine Verletzung, denn man muss mit der Nadel zur Vene gelangen. Durch Verletzungen, die mir jemand zufügt, kann ich das Blut Christi empfangen, indem ich meinen Schmerz mit dem Kreuz vereine. So empfange ich jenes Blut, das vom Kreuz herabrinnend auf geheimnisvolle Weise alle Wunden der Welt erfüllt. Es schenkt mir die Gnade und Kraft, auch in dieser Situation mit Liebe zu antworten. Durch die Wunden, die mir jemand zufügt, kann ich auf diese Weise das Blut Christi nicht nur selber empfangen, sondern auch an andere weiterleiten.

15. Christliche Freude – österliche Freude

Die Freude des Christen ist eine österliche Freude. Denn mit der Hilfe Gottes gelangt der Christ immer wieder aus einer Schwierigkeit zum Sieg. Er muss nicht immer laut lachen, aber er bewahrt in seinem Herzen den Frieden Christi, der „nicht von dieser Welt ist“. Es ist ein Frieden, der immer wieder zum Dank und zum Lobpreis einlädt. Dieser Lobpreis schenkt Freude, ein stilles inneres Glück, das die Welt nicht geben kann (Joh 14,27).

16. Das Blut des Auferstandenen zu ehren

Der Auferstandene zeigt seine Wunden, die zu „Perlen“ geworden sind, zum Zeichen des Sieges, zu kostbaren Schmuckstücken. Das Blut des Auferstandenen zu lobpreisen bedeutet, die eigenen Wunden Jesus zu übergeben, damit diese zusammen mit Seinen Wunden an der Auferstehung und Herrlichkeit teilnehmen. Jede unserer Wunden hat eine solche Bedeutung, ja man kann sagen, eine solche „Berufung“.

17. Liebe geht durch Wunden

„Die Liebe geht durch den Magen!“ – sagt ein altes Sprichwort. Das stimmt, aber es braucht noch eine Ergänzung: Liebe geht auch durch Wunden! Wenn mich z.B. jemand verletzt hat und ich nicht gewaltsam reagiere, sondern ihn trotz der Wunde noch mehr liebe, so entsteht etwas Neues. Jede Schwierigkeit, ungelöste Probleme, auch gesundheitliche Mängel… führen zu neuem Leben, wenn sie mit Liebe angenommen werden. Und das schaffen wir in der Kraft des Blutes Christi! Darin besteht das Herzstück unserer Spiritualität: Wir glauben an die Liebe des Blutes Christi, an jene Liebe, die durch Wunden geht und Heilung schenkt.

18. Mit Maria unter dem Kreuz

Wir alle sind berufen, mit Maria unter dem Kreuz zu stehen und wie sie das Blut Christi überall dort aufzufangen, wo es heute aus den Wunden der Menschheit herabrinnt. Jeder Schmerz, jede Sünde, jedes Dunkel der Seele bedeutet eine besondere Gegenwart des Blutes Christi. Wie Maria machen wir uns zum Kelch, der die am Kreuz vergossene Liebe auffängt. Mit Maria bringen wir sie dem Vater dar, zum Heil der Welt.

19. Mit Maria dem Leid begegnen

Von Maria können wir auch lernen, wie wir den leidenden Mitmenschen begegnen sollen. Es sind gewöhnlich nicht gute Ratschläge und schon gar nicht das Predigen, was im Schmerz wirklich hilft und tröstet. Meistens geht es vor allem darum, in schweigender Ehrfurcht einfach da zu sein. Maria konnte Jesus keinen Schmerz abnehmen, und doch hat ihre Gegenwart unter dem Kreuz so viel geändert und geholfen.

20. Jammern durchlöchert den Kelch

Oft gelingt es uns, den Kelch unseres Herzens in der „Gabenbereitung“ unseres Lebens offen zu halten. Wir sind bereit für den Willen Gottes. Dann aber beginnen wir zu jammern und uns zu beschweren. So verlieren wir den Wein wieder, statt ihn durch ein hochherziges Ja des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe in das Blut Jesu verwandeln zu lassen. Wenn wir beginnen, uns gegen den Inhalt unseres Kelches zu wehren, dann durchlöchern wir ihn gleichsam mit unseren Klagen. So verlieren wir das Blut Jesu, das wir im Herzen gesammelt hatten, und das uns und anderen zum Heile dienen sollte. Unser Aufopfern des Blutes Christi wird dadurch zu einem Erheben eines leeren, durchlöcherten Kelches oder eines Siebes…

21. Mach ein Geschenk daraus!

Wenn wir ehrlich sind, haben wir mit dem Wort „Opfer“ oder „aufopfern“ so unsere Schwierigkeiten. Manche haben wirklich Angst davor. Ich schlage deswegen vor, dass wir uns wenigstens gelegentlich anders ausdrücken. Wir können aus jeder schmerzlichen Situation – sei es eine Krankheit oder ein Unrecht, das uns trifft – ein Geschenk machen. Wenn wir all das Schwere im Kelch unseres Herzens auffangen, was so viel bedeutet wie im Glauben annehmen, dann können wir es durch Liebe verwandeln. So wird daraus ein Geschenk für den Himmel – auch zum Weiterleiten für jemanden, der jetzt gerade Hilfe braucht. So schaffen wir es auch leichter, z.B. unsere Müdigkeit zu besiegen oder Störungen auszuhalten, ja zu verzeihen. Unser „Schlachtruf“: Mach ein Geschenk daraus! – Die „Armen Seelen“ freuen sich immer – nicht nur jene im Fegfeuer!

22. Das Ostersakrament!

„Wären deine Sünden so rot wie Scharlach, sie werden weißer wie Schnee“ – denn das Blut Christi ist stärker! Deine früheren Sünden sind ausgelöscht, wenn du sie ehrlich bereust, bekennst und in der Beichte Gott übergibst. Da brauchst du dir keine Sorgen mehr zu machen. Du solltest dir nicht einmal erlauben, immer wieder darin herum zu bohren! Denn diese Sünden existieren nicht mehr! Du fügst dir selber Schaden zu, wenn du damit Zeit verlierst. Wie an Ostern die schrecklichen Wunden Jesu verwandelt wurden, so sind auch deine früheren Sünden jetzt nicht mehr da, denn auch sie sind zu Kostbarkeiten geworden. Jetzt bist du ein Zeuge der Barmherzigkeit Gottes. Du bist reifer geworden, du bist mit echter Liebe erfüllt! Das was damals verkehrt lief, ist ausgelöscht, deine Liebe ist reifer, deine Reinheit schöner und tiefer…

23. Reinheit im Blute Christi

„Rein“ ist, wer sich demütig im Blute Christi immer wieder reinigen lässt und die „Treue“ besteht darin, dass man trotz aller Schwächen und Rückschläge nie aufgibt, wieder neu anzufangen.

24. Das Blut Christ schützt und vollendet deine Würde

Ein Mensch kann dich bespucken, dich entblößen, aber dadurch deine Würde nicht wirklich auslöschen. Die Treue in der Reinheit hängt von der Einheit mit Gott ab. Wer in Ihm verharrt, geht durch verschiedene Probleme, Versuchungen, Angriffe des Lebens hindurch und bewahrt doch seine Würde. Auch wenn z.B. der Ehepartner dich durch sein Verhalten erniedrigt – ohne Dankbarkeit, ohne Taktgefühl, ohne Einvernehmen… dann wird das Blut Christi in deinem Herzen das sein, was dich doch rettet, was deine Würde schützt. Selbst dann, wenn du erniedrigt wurdest, aber wenn du mit dem Blut Christi antwortest in den Wunden deines eigenen Herzens, deines Leibes… dann bewahrst du deine Würde, und mehr: sie wird noch größer und edler!

25. Verlorene Reinheit wiedererlangen

Durch das Blut Christi, das man besonders im Sakrament der Buße und Versöhnung empfängt, kann man nicht nur alle Makel der Schuld abwaschen, sondern sogar in gewissem Sinne die Jungfräulichkeit regenerieren: Zwar bleiben bedauerliche physische Folgen, und auch die Erinnerung kann eine Last sein, aber geistlich beginnt eine neue Wirklichkeit. Denn das Blut Christi ist mächtiger als die Sünden der gesamten Welt! Maria Magdalena ist die große Patronin der erneuerten Reinheit.

26. Werkzeug innerer Heilung und Befreiung

Im Blute Christi ist Tod und Leben zu einer Einheit geworden. Denn das Blut Christi ist nicht nur ein Symbol des Todes, der Niederlage, der Sühne, des Opfers… gleichzeitig und noch viel mehr ist es die Gegenwart des Ostersieges über den „Herrscher dieser Welt“. Darum erfahren jene, die im Fürbittgebet um innere Heilung und Befreiung ringen, immer stärker die Kraft des Blutes Christi. Wer es mit Glauben und Vertrauen anruft, lässt die Hölle erzittern. Der hl. Petrus betont im Anschluss an den Propheten Jesaja (vgl. Jes 53,5): „Er hat unsere Sünden mit seinem Leib auf das Holz des Kreuzes getragen, damit wir tot seien für die Sünden und für die Gerechtigkeit leben. Durch seine Wunden seid ihr geheilt“ (1Petr 2,24). Das Blut Christi ist zugleich Zeichen und Werkzeug innerer Heilung.

27. Schutz vor dem Bösen

Wachsamkeit ja – Angst nein! Die beste Verteidigung gegen die Angriffe des Bösen ist gewöhnlich die Einheit in der Familie, in der Gruppe, im Verein, im Kloster… Streitereien und besonders auch Neid, Eifersucht und Lüge… ziehen die Dämonen an. Trotzdem kann es zu Begegnungen kommen, die dir unheimlich sind, bei denen der Böse mit im Spiel sein könnte. Dann tauche dich und deine Umgebung geistiger Weise in das Blut Christi ein. Lobpreise das Blut des Erlösers, das den Satan besiegt hat: EHRE SEI DEM BLUTE JESU! Wenn du dann noch (wenigstens leise im Herzen) hinzufügst: „Jesus, rette mich! – Jesus, ich vertraue auf dich! – Jesus, ich liebe dich!“, dann flieht der Böse von dir.

28. Eintauchen in das Blut Christi

Wir können immer wieder gefährdete Personen in Gedanken auch stellvertretend in das Blut Christi eintauchen. Das ist ein sehr starkes, bildhaftes Gebet! Der Herrgott versteht es – in diesem Fall ist eine Bitte um Schutz vor Angriffen durch den Bösen gemeint. So kann man oft viel mehr kurz durch eine Geste ausdrücken, wofür man sonst viele Worte bräuchte. Wir schützen uns auf diese Weise nicht nur selber, sondern auch andere. Gerade sehr schwierige Menschen, an die wir nicht richtig herankommen, von denen wir immer wieder auch Unrecht erleiden müssen – wir können sie mit allem Drum und Dran ins Blut Christi eintauchen. Das lockert auch den härtesten Boden auf…

29. Die Mächte der Finsternis erzittern lassen!

Die Demut Mariens ist es vor allem, die die Mächte der Finsternis zittern lässt, ja besiegt. Denn die Demut Mariens ist wie ein Kelch des Blutes Christi. Wenn das Blut Christi die göttliche Macht ist, die den Satan besiegt und den Menschen aus seiner Knechtschaft befreit hat, dann ist es Maria, die auf Golgota, bei jeder Eucharistiefeier und auch beim Gebet um Heilung und Befreiung das Blut Christi uns nahebringt. Es gibt verschiedenste Darstellungen, die Maria unter dem Gekreuzigten mit einem Kelch in den Händen zeigen. In diesen Bildern wird symbolhaft die eigentliche Berufung und Bedeutung Mariens in der Heilsgeschichte deutlich: Ihr ganzes Wesen und Dasein ist wie ein offener Kelch, der die erlösende Liebe Gottes in sich aufnimmt, um sie an die Menschen weiterzureichen. Das ist die Rolle der „Mit-Erlöserin“, der „Mittlerin aller Gnaden“, der „Mutter der Kirche“: Maria ist der Kelch für die am Kreuz ausgegossene Liebe Gottes.

30. Von Maria lernen

Von Maria können wir auch lernen, wie wir den leidenden Mitmenschen begegnen sollen. Es sind gewöhnlich nicht die guten Ratschläge und schon gar nicht die Predigten, die im Schmerz helfen oder trösten. Meistens geht es darum, in schweigender Ehrfurcht einfach da-zu-sein. Maria konnte Jesus am Kreuz keinen Schmerz abnehmen, und doch hat ihre Gegenwart unter dem Kreuz so viel geändert und geholfen. – Je mehr wir nun Maria ähnlich werden, je mehr wir Maria in unserem Leben und Dienen vergegenwärtigen, umso stärker können wir auch ihre Macht und ihren Sieg über den Stolz der Hölle erfahren. Es ist also nicht so sehr eine Gebetsformel, die den Bösen besiegt, sondern die Gegenwart Mariens in den Betenden.

31. Das Priestertum Mariens

Durch ihr volles JA zum Willen Gottes „opfert“ Maria unter dem Kreuz das Blut Christi dem Himmlischen Vater auf. Das ist ihr „Priestertum“, das Priestertum Mariens, das allgemeine oder gemeinsame Priestertum aller Getauften. Wer sein Herz wie und mit Maria ganz für den Willen Gottes öffnet, baut eine Brücke zwischen Himmel und Erde und wird in Christus zu einem Mittler von Gnaden. Wenn auch in verschiedener Abstufung, so kann doch jeder durch die Annahme des Willens und der Zulassungen Gottes am Erlösungs-Werk Christi teilnehmen, also in gewissem Sinne „Miterlöser“ sein…

Aus: Blut-Christi-Lob. Theologie und Leben, 198-212